Friedensappell des Friedensforums Johanniskirche 1631–2031
Lasst uns reden – nicht übereinander, sondern wieder miteinander!
Für gesellschaftlichen Zusammenhalt und Demokratie
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Liebe Mitbürgerinnen und Mitbürger,
mit Sorge beobachten wir, dass der gesellschaftliche Frieden in unserem Land auf dem Spiel steht. Viele Menschen fühlen sich nicht mehr gehört. Sie sorgen sich um bezahlbare Energie und Arbeit, um Frieden in Europa und der Welt, um Gerechtigkeit und um die Glaubwürdigkeit der Politik. Enttäuschung treibt Menschen in Lagerdenken, konstruktiver Dialog scheint kaum noch möglich. Der Riss geht inzwischen durch Vereine, Kollegien, Freundschaften, Familien und Beziehungen. Aktuelle Umfragen zeigen: Mehr als 40% der Wahlberechtigten wenden sich ab und suchen nach einer politischen Alternative. Das ist ein Weckruf und zugleich das Symptom einer tieferen Krise.
Als Friedensforum Johanniskirche appellieren wir:
So darf es nicht weitergehen. Fast 400 Jahre nach dem Dreißigjährigen Krieg erinnern wir uns an die Lehre von 1648. Frieden wurde möglich, weil "Friedensreiter" zwischen Münster und Osnabrück den Kontakt zwischen verfeindeten Parteien hielten. Sie haben zugehört, vermittelt und Brücken gebaut – auch über damalige Brandmauern hinweg. Genau das brauchen wir heute wieder.
Wir rufen alle demokratischen Kräfte, Kirchen, Netzwerke, Kultur-, Sport- und Bildungseinrichtungen, Vereine, Gewerkschaften, Unternehmen, Verbände und jede Bürgerin und jeden Bürger auf:
Übernehmen wir gemeinsam die Rolle der Friedensreiter.
Wir appellieren:
1. Dialog statt Ausgrenzung. Es braucht Orte, an denen auch mit den Menschen geredet wird, die sich abgewendet haben. Nicht über sie, sondern mit ihnen. Wer aus Protest wählt, muss eine andere Antwort bekommen als Verachtung und Schuldzuweisungen.
2. Meinungsfreiheit und Respekt. Demokratie lebt vom Diskurs. Die Verengung von Meinungskorridoren treibt Debatten an die Ränder und in die Echokammern der sozialen Netzwerke. Auch unbequeme Positionen gehören in die Mitte der Gesellschaft und müssen dort gehört und diskutiert werden - ohne Vorurteile und ohne Hass.
3. Extremismus klar benennen. Unsere freiheitliche Ordnung wird von Rechtsextremismus, aber auch von Linksextremismus und durch radikalen Islamismus bedroht. Doppelte Standards bei der Beurteilung der Gefahren spalten und zerstören Vertrauen. Wir lehnen jegliche Legitimation und jede Verharmlosung von Gewalt ab.
4. Heimat und Vielfalt zusammendenken. Überall dort, wo Menschen sich begegnen, können Vorurteile abgebaut werden und gemeinsame Werte gelebt und verteidigt werden. Wahre Integration gelingt vor allem im Gespräch und durch gegenseitiges Kennenlernen. Wer seine eigene Geschichte kennt, kann den interkulturellen Dialog sinnvoll gestalten.
Die gesellschaftlichen Institutionen und alle Organisationen, wo Menschen sich begegnen, tragen dafür eine besondere Verantwortung. Sie sind seit jeher Orte des Zusammenhalts. Wir bitten Sie alle, Foren für den Dialog zu öffnen - vor, während und nach der Wahl.
Im Geiste der Friedensreiter von 1648 sagen wir:
Führen wir den offenen Diskurs mit demokratischen Mitteln ohne Ausgrenzung, Hass und Gewalt. Zuhören. Verstehen. Zusammenhalt stärken. Gemeinsam Lösungen suchen. Nur so überwinden wir den Riss in unserer Gesellschaft und bewahren Frieden und Demokratie in unserem Land. Nur so können wir die Krisen auch in Zukunft gemeinsam überwinden.
Entsprechend des Kerngedankens unseres Leitbildes
• Aus Erinnerung wächst Verantwortung.
• Aus Begegnung entsteht Verständigung.
• Aus Verständigung kann Frieden erwachsen.
möchte das Friedensforum Johanniskirche 1631–2031 auch in Zukunft verschiedene Veranstaltungsformate sowie Begegnungs- und Diskussionsräume anbieten. Die bisherige Resonanz ermutigt uns für ein weiterführendes Engagement.
Magdeburg, im August 2026
Das Friedensforum Johanniskirche 1631–2031 und alle Mitunterzeichnende
Schließen Sie sich dem Appell an unter: www.friedensforum-johanniskirche.de/friedensappell


